Evaluationsgutachten zur Fachanwendung Versichertenstammdaten-Management (VSDM)

Das Evaluationsgutachten zur Fachanwendung Versichertenstammdaten-Management (VSDM) wurde im Auftrag der gematik von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erstellt. Es enthält die Ergebnisse der Daten, die im Rahmen der begleitenden Wissenschaftlichen Evaluation der Erprobung des Online-Abgleichs der Versichertenstammdaten über die Telematikinfrastruktur unter realen Bedingungen und mit Echtdaten erhoben wurden.

Aufgabe der Wissenschaftlichen Evaluation (WEV) war es, die Akzeptanz bei den teilnehmenden Leistungserbringern für die Fachanwendung VSDM und die Praxistauglichkeit der Fachanwendung im Arbeitsalltag zu analysieren. Die WEV erhob also subjektive Daten und ergänzt damit die objektiven Daten zur Erprobung des VSDM.

Die FAU hat zur Wissenschaftlichen Evaluation des VSDM die Ergebnisse der Befragung von rund 500 Leistungserbringern (Hausärzte, Fachärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte und Leistungserbringer in Krankenhäusern) in der Testregion Nordwest (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) vor und während der Erprobungsphase ausgewertet und daraus Handlungsempfehlungen für weitere Optimierungen abgeleitet.

Die Datenerhebung der begleitenden WEV erfolgte im Zeitraum vom 19. September 2016 bis zum 24. Juli 2017. Zudem erfolgte eine stichprobenartige Befragung von 500 Patienten in der Testregion.

Das Befragungskonzept stützt sich im Wesentlichen auf das „Information Systems Success Model“ (DeLone und McLean), welches die grundlegenden Befragungsbereiche „Informationsqualität“, „Systemqualität“ und „Servicequalität“ vorsieht.

Das Evaluationsgutachten zeigt eine hohe Beteiligung der Erprobungsteilnehmer (Beteiligungsrate zwischen 90,2 und 97,8 Prozent, je nach Messzeitpunkt der Befragung).

Der Nutzen der Fachanwendung VSDM ist für die befragten Leistungserbringer klar ersichtlich (zwischen 55,8 und 60,9 Prozent der ambulanten Leistungserbringer und zwischen 50,0 und 83,3 Prozent der stationären Einrichtungen haben dem zugestimmt). Die Mehrheit ist mit der Fachanwendung VSDM insgesamt zufrieden (60,1 Prozent der ambulanten Leistungserbringer und 66,6 Prozent der stationären Einrichtungen haben zugestimmt).

Darüber hinaus zeigen 61,0 Prozent der ambulanten Leistungserbringer und 83,3 Prozent der stationären Einrichtungen eine hohe Bereitschaft, auch weitere Fachanwendungen der elektronischen Gesundheitskarte bzw. der Telematikinfrastruktur zu nutzen.

Die Mehrheit der befragten Leistungserbringer bestätigt die verschiedenen in der Befragung thematisierten Aspekte im Bereich der „Informationsqualität“ (Verständlichkeit von Meldungen). Bei allen Fragen haben mindestens die Hälfte der befragten ambulanten Leistungserbringer und stationären Einrichtungen zugestimmt.

Die Ergebnisse im Bereich „Systemqualität“ (Handhabbarkeit, Erlernbarkeit und technische Qualität) sind bei den verschiedenen abgefragten Aspekten und auch im Vergleich der Befragungszeitpunkte sehr unterschiedlich. Zur Abschlussbefragung war ein großer Teil der Befragten mit der elektronischen Gesundheitskarte und den damit verbundenen Arbeitsschritten insgesamt zufrieden (53,1 Prozent der befragten ambulanten Leistungserbringer und 50,0 Prozent der befragten stationären Einrichtungen haben zugestimmt).

Die Mehrheit der befragten Leistungserbringer bestätigt die Qualität der Einführungs- und Supportprozesse („Servicequalität“). Bei den Fragen zu diesem Bereich haben mindestens die Hälfte der befragten ambulanten Leistungserbringer und stationären Einrichtungen zugestimmt.

Im Gegensatz zu den Leistungserbringern führte aus der Sicht der befragten Patienten die Fachanwendung VSDM nur in sehr wenigen Fällen zu wahrnehmbaren Auswirkungen (5,8 Prozent der befragten Patienten haben während der Anmeldung Aspekte wahrgenommen, welche auf die Erprobung zurückzuführen sind).

Anknüpfend an die Ergebnisse enthält das Evaluationsgutachten elf Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der zentralen und dezentralen Komponenten der Telematikinfrastruktur, zur konzeptionellen Anpassung der Fachanwendung VSDM mit Blick auf die Anforderungen der Leistungserbringer, zur Minimierung zusätzlicher Arbeitsaufwände durch die Fachanwendung sowie grundsätzliche Empfehlungen zur Akzeptanzsteigerung.

Die Prüfung des Evaluationsgutachtens durch die gematik hat gezeigt, dass die Empfehlungen, die daraus hervorgehen, mehrheitlich die Sicht der gematik und ihrer Gesellschafter auf die Ergebnisse der Erprobung bestätigen. Bereits während der Durchführungsphase der Wissenschaftlichen Evaluation wurden monatlich Zwischenauswertungen erstellt. So war es möglich, bereits vor Ablauf der Erprobung Aussagen zur Qualität der Prozesse und zur Akzeptanz zu erhalten, um mit Blick auf den bundesweiten Produktivbetrieb adäquate Maßnahmen zur Verbesserung zu ergreifen. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zur Verbesserung der Produkte durch die Hersteller, um die Systemstabilität zu erhöhen, die Anpassung der Spezifikationen durch die gematik, ergänzende Schulungen bei den Krankenkassen, die Ablösung/Einstellung der eGK G1-Karten (elektronische Gesundheitskarten der 1. Generation), die Anpassung von Informationsmaterialien sowie die Einführung der Konformitätsprüfung für Primärsysteme.

VSDM-Evaluationsgutachten der FAU (Langfassung)
PDF | 5 MB | 29.01.2018

VSDM-Evaluationsgutachten der FAU (Kurzfassung)
PDF | 670 KB | 29.01.2018